3. Orchesterkonzert: Mahler 5. Sinfonie

„Eine Sinfonie muss wie eine Welt sein; sie muss alles enthalten”, soll Gustav Mahler einmal dem finnischen Komponisten Jean Sibelius gegenüber geäußert haben. Seine eigenen Gattungsbeiträge zeugen von diesem Anspruch.

Mit der Aufführung von Mahlers 5. Sinfonie durch die Mannheimer Philharmoniker erfüllt sich Dirigent Boian Videnoff einen lang gehegten Traum. Mahler zählt zu den einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine Klangsprache ist noch überwiegend der Romantik verpflichtet: Mit schmetternden Fanfaren, heroischen Hornthemen und schmachtende Streichermelodien vermögen seine Kompositionen das Publikum zu begeistern, aber Mahler fügte all diese Elemente nicht mehr zu einem formalen Gebilde zusammen, das den höchsten Ansprüchen der musikalischen Gralshüter genügen mochte. Vielmehr zeigen sich in seiner Musik bereits die Risse und Brüche der Moderne. Mahler nahm alles in sein Arsenal auf, was die musikalische Landschaft seiner Gegenwart für ihn bereithielt: Ländler, Militärsignale und Märsche, Feuerwehrkappellen und jüdische Festmusik – alles prallt in seinen Sinfonien aufeinander, alles klingt und schwingt – die Welt, eben.

Die 5. Sinfonie gehört zu den Gipfelpunkten der sinfonischen Literatur. Aus dem Signal einer einzelnen Trompete entwickelt Mahler zu Beginn seinen packenden Trauermarsch, dessen Wucht sich auch im zweiten Satz noch fortsetzt. Auf die Walzerseeligkeit des zentralen dritten Satzes folgt die vielleicht persönlichste Komposition in Mahlers Schaffen: Das Adagietto für Streicher und Harfe, eine musikalische Liebeserklärung an seine Frau Alma, die vor allem durch ihre Verwendung in Luigi Viscontis Verfilmung der Thomas-Mann-Novelle Tod in Venedig berühmt wurde. Im Finale bietet Mahler noch einmal sein ganzes Können auf, wenn er Material aus vorangegangenen Sätze wieder in die einzelnen Rondoabschnitte einfließen lässt und schließlich das ganze Orchester in einem farbenprächtigen Trubel zum Schluss führt.